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Über die Freundschaft - 10 Zitate

Verbindlich unverbindlich - Freundschaft ist die einzige Beziehungsform, die ohne gesetzliche Regelungen oder offizielle Gründungsriten auskommt. „Wie eine Freundschaft aussieht, warum und wie lange sie funktioniert, wird einzig zwischen den Beteiligten ausgehandelt.“ (Tabea Grzeszyk und Lotta Wieden)


Wobei diese Form der Aushandlung eine kontinuierliche Feinabstimmung darstellt. Freundschaft bewährt sich, wenn es unbequem wird… bei gegensätzlichen Ansichten, in Krisensituationen oder schleichenden Veränderungsprozessen.


Grundlegend für eine Freundschaft ist der Wunsch nach einer rechtlich und formal unverbindlichen Beziehung, die dennoch Bestand hat. Tatsächlich halten Freundschaften oft länger als Liebesbeziehungen und sind für viele Menschen ein Familienersatz oder emotionales Sicherheitsnetz.



Von der Lust, dem Nutzen und dem Guten


Aristoteles beschreibt drei Arten der Freundschaft. Das Unterscheidungskriterium ist der jeweilige Grund der Freundschaft.


Weil Lust und Nutzen nicht von Dauer sind, können sie für Freundschaften kein dauerhaft tragender Grund sein. Deshalb zählt für Aristoteles nur die Charakterfreundschaft, also die Freundschaft zwischen Tugendhaften (oder denen, die ihr Leben am Ideal des Guten ausrichten). In diesem Fall sind zwei Menschen um etwas Dritten willen miteinander verbunden. Um die tiefe Freundschaft zwischen Person A und Person B zu verstehen, müssen wir verstehen, worauf sich beide beziehen. Beide haben eine ähnliche Vorstellung vom gelungenen Leben - sie haben eine gemeinsame Art, die Welt zu sehen (Michael Bordt).


Beispielhaft dafür: Die Aussage von Ian Schrager über seinen Freund und Geschäftspartner Steve Rubell. Die beiden gründeten 1977 das legendäre Studio 54 in New York.


"Steve war extrovertiert, ich bin introvertiert. Aber in unserem Innersten, was unsere Welt anging, waren wir uns sehr ähnlich."

Copyright Prof. Dr. Michael Bordt SJ

Aristoteles war einer der ersten abendländischen Philosophen, der sich explizit Gedanken zum Thema Freundschaft gemacht hat. Er ist aber nicht der einzige, wie die folgenden Zitate zeigen.



10 Zitate zur Freundschaft


1. Aristoteles (384 - 322 v. Chr.)


„Die vollkommene Freundschaft ist die Freundschaft zwischen Menschen, die gut und gleich an Tugend sind.“


2. Aristoteles


„Niemand würde wählen, ohne Freunde zu leben, auch wenn er alle übrigen Güter hätte.“



3. Epikur (341 - 270 v. Chr.)


„Zur Freundschaft führt weniger der Wunsch nach dem, was wir von unseren Freunden verlangen, als vielmehr das Bedürfnis nach der Zuversicht, dass wir es von ihnen verlangen dürfen.“



4. Seneca (ca. 2 - 65 n. Chr.)


„Der entzieht der Freundschaft ihre Erhabenheit, wer sie nur für günstige Fälle schließt.“



5. Friedrich Nietzsche (1844 - 1900)


„Bist du ein Sklave? So kannst du nicht Freund sein. Bist du ein Tyrann? So kannst du nicht Freunde haben.“



6. Immanuel Kant (1724 - 1804)


„Freundschaft ist das völlige Vertrauen zweier Personen in wechselseitiger Eröffnung ihrer geheimen Urteile und Empfindungen, soweit sie mit beiderseitiger Achtung gegeneinander bestehen kann.“



7. Simone Weil (1909 - 1949)


„Die Freundschaft kann nicht gesucht, nicht erträumt, nicht begehrt werden; sie wird ausgeübt.“



8. Emmanuel Levinas (1906 - 1995)


„Die Freundschaft richtet sich auf den Anderen, die Liebe sucht, was nicht die Struktur des Seienden hat, sie sucht vielmehr das unendlich Zukünftige, das, was zu zeugen ist.“



9. Michel de Montaigne (1533 - 1592)


„Bei der Freundschaft sind Sehnsucht und Genuss identisch; sie steigt; sie gedeiht, sie wächst durch den Genuss gerade erst recht, denn sie bleibt etwas Geistiges, und die Seele veredelt sich in ihr.“



10. Clive Staples (C.S.) Lewis (1898 - 1963)


„Freundschaft ist unnötig, wie Philosophie, wie Kunst… Sie hat keinen Überlebenswert, sondern ist eines der Dinge, die dem Überleben einen Wert verleihen.“


Literatur

Bordt, Michael SJ: Philosophische Anthropologie, Vorlesung an der Hochschule für Philosophie München, Wintersemester 2011/12.

Grzeszyk, Tabea u. Wieden, Lotta: Freundschaft in der modernen Gesellschaft. Eine Seele in zwei Körpern, in: Deutschlandfunk Kultur, https://www.deutschlandfunkkultur.de/freundschaft-in-der-modernen-gesellschaft-eine-seele-in.976.de.html?dram:article_id=336537 (Stand: 13.10.2021).

Kant, Immanuel: Die Metaphysik der Sitten, Akademie-Ausgabe, Band 6, de Gruyter, Berlin 1968.

Levinas, Emmanuel: Totalität und Unendlichkeit. Versuch über die Exteriorität, 5. Auflage, Verlag Karl Alber, München 1987.

Montaigne; Michel de: Die Essais, Anaconda Verlag, Köln 2005.

Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra, Kritische Studienausgabe, Band 4, dtv u. de Gruyter, München 1999.

Seneca: Briefe an Lucilius, Verlag Reclam, Stuttgart 2014.

Weil, Simone: Awaiting God, new translation by Brad Jersak and Anny Ruch, Fresh Wind Press, Abbotsford, Canada 2012.




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