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Zwei geerdete Philosophen im Gespräch

Aktualisiert: 12. Sept.

Im Laufe der Jahre haben unsere Leser viel über den Schwarzen Peter erfahren. Zum Beispiel, dass ihm beim Schreiben regelmäßig die Emotionen durchgehen. Mit schöner Regelmäßigkeit gibt er mehr von seinem Innersten preis, als ihm rückblickend recht ist.

Axel Stöcker, Herausgeber des Philosophieblogs die-grossen-fragen.com

Wir haben den Verdacht, dass dem Schwarzen Peter die Philosophie in erster Linie zur Lebensbewältigung dient. Entgegen unserer Erwartungen hat er es als Gastautor zu bescheidener Bekanntheit gebracht. Seit ein Artikel von ihm fast zweitausendmal gelesen wurde, wähnt er sich in anderen Sphären.


Deshalb ist es an der Zeit, daran zu erinnern, dass der Schwarze Peter den Laden nicht alleine schmeißt. Obwohl der Blogbetreiber die meisten Artikel beisteuert, wissen die Leser, von seinem akademischen Werdegang abgesehen, wenig über ihn.


Das ändert sich gerade dank eines kurzen Interviews, das Axel Stöcker, der Betreiber des Philosophieblogs die-grossen-fragen.com, im Frühsommer dieses Jahres mit Peter Müller geführt hat. Wir freuen uns sehr, es veröffentlichen zu dürfen.


Bevor wir zum Interview kommen eine Anmerkung: Es ist uns ein Vergnügen, Informationen, Beiträge und Kontakte mit Gleichgesinnten zu teilen. Auf diese Weise kommen wir unserem gemeinsamen Ziel, möglichst viele Menschen für die Philosophie zu begeistern, ein Stück näher. Davon profitieren auch unsere Leser, indem sie einen besseren Einblick in die enorme Vielfalt philosophischen Denkens bekommen.


Während wir uns schwerpunktmäßig mit der angewandten Ethik beschäftigen, setzt Axel Stöcker mit seinen Beiträgen zu den Themen „Bewusstsein und freier Wille“ oder „Evolution“ andere spannende philosophische Akzente.


Das folgende, von Axel Stöcker geführte, Interview ist im Juni 2022 auf die-grossen-fragen.com unter der Rubrik „Zeitgenossen antworten“ erschienen.



Der geerdete Philosoph - Peter Müller, Blogger


Axel Stöcker: Wofür lassen Sie alles stehen und liegen?


Peter Müller: Für Freunde in Not, ein eisgekühltes Mon Cherie, ein alpines Skirennen, die Arte-Sendung „Philosophie“ oder eine Folge der Fernsehserie „Californication“.



Welche Themen interessieren Sie am meisten?


Wenig überraschend: philosophische Themen. Warum? Weil die Philosophie aus der Mitte des Lebens kommt und im Fall der Ethik immer gesellschaftlich rückgebunden werden kann. Darüber hinaus interessiere ich mich für die faszinierenden und putzig anmutenden Vorlieben oder Verhaltensweisen mancher Leute. Vor einiger Zeit habe ich zum Beispiel gelesen, dass es Menschen gibt, die einen Luftballonfetisch haben.



Welcher Wissenschaftler fasziniert Sie besonders?


Es fällt mir schwer, eine Person herauszupicken. Grundsätzlich bewundere ich Wissenschaftler, die von ihrem Wirken überzeugt sind, aber nicht in die Falle tappen, ihre Erkenntnisse absolut zu setzen. Gerade in Zeiten von Corona hat der redliche wissenschaftliche Diskurs enorm gelitten. Vermutlich ging es dabei auch um Eitelkeiten und Pfründe.



Und welcher Philosoph?


Ludwig Wittgenstein, weil er uns eine tiefe, vielfältig auslegbare und in zahlreichen Lebenssituationen anwendbare Philosophie hinterlassen hat. Hinzu kommt: Ein riesiges Vermögen zu verschenken schafft auch nicht jeder.



Welche drei Bücher würden Sie den Lesern des Blogs der großen Fragen empfehlen?


1. Fjodor Dostojewskis „Schuld und Sühne“, weil es eine spannende und philosophisch angehauchte Kriminalgeschichte ist.


2. Oriana Fallacis „Wir, Engel und Bestien“, weil sich die italienische Journalistin auf beeindruckende Weise inmitten des Vietnamkrieges auf die Suche nach dem Wesenskern des Menschen gemacht hat.


3. Platons „Symposion“, weil es den wunderbaren Mythos von den in der Mitte entzweiten Kugelwesen enthält, die seitdem auf der Suche nach der fehlenden Hälfte sind.



Welche Musik mögen Sie?


Indie, Rock, Punk, Heavy Metal, Klassik und – wenngleich es nicht zu passen scheint – die Bee Gees.



Auf welchem Gebiet herrscht heutzutage die größte Unwissenheit?


Da bin ich ehrlich gesagt überfragt. Aber ich denke, dass die größte Skepsis gegenüber dem Nutzen der Philosophie herrscht. Woran die Philosophie durch eine oft sperrige Sprache selbst schuld ist.



Was macht eine Frage bedeutend?


Eine, die zum Denken und zum Weiterfragen anregt… womit wir bei der Philosophie wären (wenig Antworten, viele Fragen).



Eine Fee verspricht Ihnen die Antwort auf eine beliebige Frage. Was fragen Sie?


„Was darf ich hoffen?“ (Immanuel Kant). Mit eigenen Worten: Existiert etwas Größeres als das, was wir mit unserem innerweltlichen Sensorium erkennen können? Wird dieses Rätsel nach dem Tod gelöst oder geht einfach nur das Licht aus?



Wo sehen Sie Grenzen menschlicher Erkenntnis?


Fragen, die auf die Transzendenz verweisen, werden wir wahrscheinlich niemals beantworten können.



Jemand erklärt Ihnen, die Frage nach Gott sei belanglos. Was antworten Sie?


Der Umstand, dass die Existenz Gottes nicht beweisbar ist, bedeutet nicht, dass das Fragen überflüssig ist. Selbst wenn alle naturwissenschaftlichen Fragen geklärt werden könnten, bliebe die Frage nach dem Warum. So sagte Werner Heisenberg „Der erste Trunk aus dem Becher der Wissenschaften macht atheistisch; aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.“ Etwas praktischer ausgedrückt. Sollte es jemals möglich sein, bis zum Zeitpunkt t0 (Urknall) vorzudringen, stellt sich sofort die Frage „Was war vor dem Urknall?“. Am Ende landet man immer bei der Frage nach einem außerweltlichen Prinzip… egal, ob man es Gott nennt oder nicht.



Welche Bedeutung hat der Tod für Sie?


Ich halte es mit Martin Heidegger. Der war der Ansicht, dass es die Aufgabe des jeweiligen Daseins ist, sein Leben als ein eigentliches am Schopf zu packen. Dieses Sein-zum-Tode gibt im Idealfall die Kraft, der Welt des Man zu entfliehen und das Leben zu gestalten. Der Tod ist somit ein formendes Element des Lebens.





Zum Blog von Axel Stöcker geht es hier











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