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Philosophie – Wozu?

Aktualisiert: 22. Okt. 2023

Eine berechtigte Frage, zumal sich der Nutzen der Philosophie nicht jedermann auf Anhieb erschließt. Es gibt Menschen, die glauben, dass Philosophen hauptberuflich Gedichte schreiben. Immerhin, denn Gedichte machen meist gute Laune.

Da hat es die Philosophie vergleichsweise schwer. Warum das so ist, hat Ursula Pia Jauch treffend in einem Satz zusammengefasst:


„Der Philosoph ist historisch eine Figur, die anderen auf den Nerv geht.“

Ständig diese Zweifel, das Grübeln und die Gedankenschwere. Hinzu kommt die prinzipielle Unabgeschlossenheit der Philosophie: Einer notorischen Spaßbremse gleich, reagiert sie auf jede Erkenntnis mit unzähligen neuen Fragen. Nie kehrt Ruhe ein.


„Wer auf einer Party zugibt, dass er Philosophie studiert oder gar unterrichtet, steht immer wieder einer Mischung aus Bewunderung und Befremden gegenüber.“ (Philipp Hübl)

Warum sollte sich, von ein paar Exzentrikern abgesehen, jemand für diese eigenwillige akademische Disziplin interessieren? Ein möglicher Grund:


„Die Bezahlung ist schlecht, der Fortschritt ist langsam, aber man lernt spannende Menschen kennen.“ (Fordor/Hübl)

Glücklicherweise gibt es darüber hinaus gute Gründe, sich mit Philosophie zu beschäftigen – egal, ob akademische oder Laienphilosophie. Denn jeder Mensch, der sich Sinnfragen stellt und Gegebenes nicht unhinterfragt hinnehmen will, befindet sich mit einem Bein auf dem Terrain der Philosophie.


Ottfried Höffe glaubt, dass die Menschheit erst zum Gipfel des Wissens gelangt, nachdem sie die Vorgipfel bezwungen hat. Denn die „Philosophie entsteht nur dort, wo schon die einfachen Was- und Warum-Fragen entfaltet sind, namentlich die Lebensweisheit und die gewöhnliche Wissenschaft, etwa als Astronomie“. Erst dann regt sich beim Individuum die Sehnsucht nach einem alles erklärenden, verbindenden Prinzip oder einer außerweltlichen (transzendenten) Kraft. Für Ernst Sandvoss ist die Philosophie – wie die Religion, Kunst, Wissenschaft oder Technik – eine Form der Lebens- und Weltbewältigung.




18 weitere Gründe, sich mit Philosophie zu beschäftigen


„Der Mensch nimmt seine Erfahrungswelt nicht einfach hin, wie sie ist, sondern ist verwundert und fragt nach dem Grund.“ (Atlas Philosophie)

„Wir können ja nur falsifizieren, rein gar nichts verifizieren. Und dann bleiben immer Reste übrig, die wir naturwissenschaftlich nicht mehr fassen können.“ (Harald Lesch)

„[Philosophie] entwickelt sich erst dort, wo man mit der bisherigen Art, die Fragen zu stellen oder sie zu beantworten, unzufrieden ist.“ (Otfried Höffe)

„Dem intellektuell Neugierigen verspricht die ernsthafte Beschäftigung mit der Philosophie den Tiefenblick in Strukturen, die im Alltag und […] den Wissenschaften nicht zutage treten und doch vorausgesetzt sind.“ (Reinhard Brandt)

„Einzelwissenschaften beschäftigen sich mit einem bestimmten Ausschnitt und Aspekt der Wirklichkeit; die Philosophie will die Resultate der Einzelwissenschaften zu einem Gesamtbild zusammendenken.“ (Elmar Waibl)

„Während die Naturwissenschaften Warum-Fragen beantwortet wie ‚Warum fällt der Stein zu Boden?‘ […], stellt die Philosophie die dazu passenden Was-Fragen ‚Was ist Verursachung?‘ oder ‘Was ist Leben?‘. Philosophen fragen nach dem Wesen der Dinge.“ ( Philipp Hübl)

„Die Philosophie sucht primär nach Wahrheit, indem sie Kritik übt, Dogmen hinterfragt, Tabus aufhebt und sich dabei immer einer grundsätzlichen Offenheit bedient.“ (Waibl)
„Philosophie ist weniger ein Kompendium von Antworten auf fundamentale Fragen als der Versuch, solche Antworten zu finden.“ (Das Philosophie-Buch)

„Die Philosophie hat einen weltbürgerlichen Charakter; wer bei ihr in die Schule geht, ist ein geborener Kosmopolit, ein Bürger der allen Menschen gemeinsamen Welt.“ (Höffe)

„Wir gewinnen Befriedigung, weil uns unsere Ideen und Einsichten nicht von Gesellschaft, Lehrern, Religion und auch nicht von Philosophen aufgezwungen wurden, sondern weil wir diese Ideen durch eigenes Denken gewonnen haben.“ (Das Philosophie-Buch)

„Aberglaube setzt die ganze Welt in Brand, die Philosophie löscht ihn.“ (Voltaire)

„Die Philosophie lässt sich bestimmen als der methodische und beharrliche Versuch, Vernunft in die Welt zu bringen.“ (Max Horkheimer)

„Philosophie korrigiert die aufgeregten Meinungen und befriedet die Seele mit sich selbst durch Distanz und Einsicht.“ (Brandt)

„Wer durch die philosophische Brille schaut, sieht Altbekanntes mit einem schärferen Blick.“ (Hübl)

„Oft stellen die Schriften großer Philosophen auch im literarischen Sinne Kunstwerke dar, die dem Neuen, das aus ihnen spricht, eine besondere Sprache und Form geben.“ (Daniela Zimmermann)

„Die Philosophie will nicht die Welt […] verzaubern oder ihr eine mystische Tiefe geben. Schon gar nicht schafft sie Illusionen, vielmehr sucht sie zu kaum vermeidbaren Grundfragen (Zahlt sich Rechtschaffenheit aus? Anm. d. Verf.) überzeugende Antworten.“ (Höffe)

„Moderne Philosophie ist in der Regel nonkonformistisch, nüchtern illusionslos. Ihr sind Autorität, Servilität Sterilität und Opportunismus zuwider.“ (Ernst R. Sandvoss)

„Die Philosophie unternimmt nichts mehr, freilich auch nichts weniger, als eine natürliche Antriebskraft, die Wissbegier, voll zu entfalten.“ (Höffe)



Literatur

Brandt, Reinhard: Philosophie. Eine Einführung, Reclam, Stuttgart 2001.

Buckingham, Will: Das Philosophie-Buch, DK-Verlag, München 2011.

Höffe, Otfried: Kleine Geschichte der Philosophie, Verlag C. H. Beck, München 2001.

Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften, Hrsg.: A. Schmidt: Frankfurt 1985.

Hübl, Philipp: Folge dem weißen Kaninchen… in die Welt der Philosophie, 8. Auflage, Rowohlt Verlag, Hamburg 2013.

Kunzmann, Peter u. Burkard, Franz Peter: dtv-Atlas Philosophie, 7. Auflage, dtv Verlag, München 2007.

Lesch, Harald u. Vossenkuhl, Wilhelm: Die großen Denker, 3. Auflage, Heyne Verlag, München 2015.

Sandvoss, Ernst R.: Geschichte der Philosophie. Von den Anfängen bis in die Gegenwart, Marix Verlag, München 2001.

Waibl, Elmar u. Rainer, Franz Josef: Basiswissen Philosophie in 1000 Fragen und Antworten, 2. Auflage, Facultas UTB Verlag, Wien 2008.

Zimmermann, Daniela (Hrsg.): Das philosophische Lesebuch, Anaconda Verlag, Köln 2013.





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