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Schön, wenn es Dich gibt

Wer ist gemeint, wenn wir von Gott sprechen? Existiert Gott? Wenn ja, ist er gegenständlich? Letzteres eher nicht, denn Körperlichkeit ist zugleich eine Begrenzung, die mit einigen Eigenschaften, die wir Gott unterstellen, kollidiert.


Nach monotheistischer Vorstellung ist Gott nicht nur allmächtig, allwissend und allgütig. Bis zu diesem Punkt kann man sich Gott als personales Wesen - gerne auch mit Rauschebart - vorstellen. Das Göttliche ist zudem unbegrenzt und unsterblich. Etwas Unbegrenztes kann aber nicht körperlich sein. Zudem ist Gott vollkommen und damit unveränderlich. Warum? Weil jede Abweichung von dem nicht steigerungsfähigen Zustand der Perfektion eine Verschlechterung darstellt.


Wenn einer außerweltlichen Kraft derart weitreichende Eigenschaften zugesprochen werden, reicht es vielen Menschen nicht, daran zu glauben - sie wünschen sich Gewissheit. Sie sehnen sich nach der Bestätigung ihrer Weltsicht. Wobei in diesem Zusammenhang Wissen und Glauben oft als Gegensätze aufgefasst werden. Es geht, kurz gesagt, um die Vernünftigkeit religiöser Überzeugungen (Winfried Löffler). Deshalb versucht die Philosophische Theologie das unendliche Göttliche aus dem Bereich des Glaubens und dem Nebel der Transzendenz zu holen, um es für Sterbliche (be)greifbar zu machen.


In diesem Zusammenhang ist häufig von „Gottesbeweisen“ die Rede. Dabei handelt sich aber nicht um zwingende Beweisführungen, wie sie die Mathematik, Naturwissenschaften oder Juristerei kennt. Es geht vielmehr um schlüssige Argumentationen. Typisch für die Philosophie:


„Es sind aber, wie wir sehen werden, keine definitiv schließenden Beweise, weil ihre Ergebnisse stets wieder Fragen enthalten.“ (Josef Schmidt)

Konsequenterweise ist in der Theologie und Philosophie von vernünftigen Argumenten für die Existenz Gottes die Rede. Sie sind ein Angelpunkt, weil es um den Überschritt vom Endlichen hin zum Unendlichen geht (Josef Schmidt). Karl Rahner spricht in diesem Zusammenhang von einer notwendigen Bejahung dessen, was wir Gott nennen.


Es gibt zahlreiche Versuche, die Existenz des Göttlichen mittels dieses Überschrittes zu belegen. Die Liste der Denker, die Beweisversuche hinterlassen haben, ist lang: Anaximander, Hesiod, Platon, Aristoteles, Plotin, Anselm von Canterbury und etliche mehr.


Gott - der unbewegte Beweger


Allein der gelehrte Dominikaner-Mönch Thomas von Aquin (1225 - 1274) hat fünf Wege skizziert, mit denen er die Existenz Gottes beweisen will. Der erste und zugänglichste ist der Weg von der Bewegung her (ex parte motus).


Um einem endlosen Regress zu entgehen, unterstellt Thomas eine erste Wirkursache. Dieses primum movens, d. h. Gott, verdankt seine Existenz und Bewegung keiner vorangehenden Ursache. Gott ist die Ursache seiner Selbst.



Die Sehnsucht nach metaphysischer Geborgenheit


Bleibt die Frage, warum der Mensch glaubt und sich nicht mit dem begnügt, was ihn umgibt.


„Gibt es für uns einen Bezug zum Ewigen, Göttlichen, so dass die Welt nicht einfach ‚alles‘ ist? Haben wir eine letzte Orientierung, einen letzten Halt?“ (Josef Schmidt)

Umfragen zeigen, dass selbst in aufgeklärten und säkularisierten Gesellschaften ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung ein Naheverhältnis zur Religion oder der Existenz überirdischer Mächte hat (Löffler).


Für den als Novalis bekannt gewordenen Dichter und Philosophen Friedrich von Hardenberg (1772 - 1801) leiden viele Menschen unter einer metaphysischen Obdachlosigkeit. Sie ist ein wesentlicher Impuls dafür, das Feld dessen, was der Mensch mit naturwissenschaftlichen Methoden abstecken kann zu überschreiten.


Die Hoffnung, in ein größeres Ganzes eingebettet zu sein, erklärt den Wunsch, die Welt zu transzendieren (transcendere, überschreiten). Damit ist die Hoffnung verbunden, Antworten auf existentielle Fragen zu erhalten:


„Häufig gehören dazu auch Meinungen über die Herkunft der Welt und das Schicksal der Menschen nach ihrem biologischen Tod.“ (Winfried Löffler)

Was könnte beruhigender sein, als die Überzeugung, dass eine schöpferische Kraft existiert, die sich nicht an menschlichen Maßstäben und Limitierungen messen lässt.






Literatur

Löffler, Winfried: Einführung in die Religionsphilosophie, Verlag WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt 2006.

Novalis: Das allgemeine Broullion: Materialien zur Enzyklopädistik 1798/99, dtc/de Gruyter, München 1999.

Rahner, Karl u. Vorgrimler, Herbert: Kleines theologisches Wörterbuch, 10. Auflage, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1976.

Schmidt, Josef: Philosophische Theologie, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2003.

Schmidt, Josef: Religionsphilosophie. 6 Vorlesungen, Verlag Komplett-Media, München 2011.





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