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BUCHTIPP: Radieschen von unten

Ein heiteres und farbenfroh illustriertes Kinderbuch über das Sterben und den Tod. Kaum hat der gut behütete Nachwuchs Sprechen und Laufen gelernt, soll er sich mit dem Ableben beschäftigen. Eine Zumutung… oder etwa nicht?


Wer weiß, vielleicht haben Kinder aufgrund ihrer überbordenden Neugierde ein unbefangeneres Verhältnis zum Tod als Erwachsene. Zugegeben, wer statistisch noch 80 Jahre vor sich hat, kann entspannter über das Ende sinnieren. Dennoch gilt Johannes von Tepls (1350-1415) Erkenntnis:

 

„Sobald ein Mensch zum Leben kommt, sogleich ist er alt genug zu sterben.“

 

Martin Heidegger (1889-1976) war von diesem trivialen Gedanken so angetan, dass er ihn in seinem philosophischen Meilenstein „Sein und Zeit“ zitierte und um eine eigene, etwas extravaganter formulierte, Version ergänzte:

 

„Der Tod ist eine Weise zu sein, die das Dasein übernimmt, sobald es ist.“

 

Soll heißen, der Tod gehört vom ersten Atemzug an zum Leben… und weil wir von Geburt an unausweichlich auf ihn zulaufen, ist es ratsam, sich hin und wieder mit ihm zu beschäftigen. Wie heißt es so schön: den Tod ins Leben integrieren. Dazu haben die wenigsten Menschen Lust. Schon gar nicht in Gesprächen mit ihren Kindern. In der Schule wird die ursprünglich als Erbauungsliteratur gedachte ars moriendi (Kunst des Sterbens) ebenfalls nicht gelehrt. So bleibt für die Kleinen vieles im Dunkel.

 

Zudem wird vor allem in westlichen Ländern der Tod verdrängt und ein Bogen um das Thema gemacht – selbst dann, wenn Kinder mit ihrem unbändigen Wissensdurst die Eltern mit Fragen zur Endlichkeit löchern.

 

Dabei muss die geistige Annäherung an den Tod nicht deprimierend sein, wie Katharina von der Gathen und Anke Kuhl mit ihrem Buch „Radieschen von unten“ auf sensible und humorvolle Weise zeigen.


Katharina von der Gathen (links), Anke Kuhl (rechts) und Boandlkramer (mittig)

Schon im Vorwort machen sie deutlich, dass es sich auch um ein Buch über das Leben handelt. Niemand kann etwas daran ändern, dass der Tod zu diesem All-Inclusive-Paket gehört. Übrigens ist die Vorstellung ewig zu leben, mindestens so schwer zu ertragen wie der Umstand der eigenen Sterblichkeit. Erst die Zeit als knappes Gut verleiht dem Leben Dichte, Würze und Sinn.

 

„Geborenwerden und Sterben gehören untrennbar zusammen. Vielleicht ist das Leben dazwischen genau deshalb so einzigartig und besonders, weil es den Tod als Begrenzung hat.“ (Gathen/Kuhl)

Bleibt die Frage, ob es sich um ein kindgerechtes Thema handelt und es angemessen ist, die eigene Brut damit zu konfrontieren. Womöglich, so die Sorge, könnte der Schreck größer sein als der Nutzen. Nun liegt es in der kindlichen Natur, den Dingen auf den Grund gehen zu wollen. Ein unbequem erscheinendes Thema zu tabuisieren, zähmt nicht deren Erkenntnisdrang. Denn: Kinder stellen unverdrossen existenzielle und philosophisch ernstzunehmende Fragen.



Auch wenn sie Sterben und Tod oft noch nicht einordnen können, haben viele durch den Tod eines Verwandten oder eines geliebten Haustieres ohnehin ein Verlustempfinden entwickelt.

 

Diesen Schmerz können Eltern ihren Kindern nicht ersparen. Aber Sie können ihn lindern, indem sie ihnen eine Tür zu einem geheimnisvollen Raum öffnen. Dahinter liegt eine Welt, die mal traurig, mal lustig, stets jedoch besonders und aufregend ist (Gathen/Kuhl).


Auf die Idee, Kindern eine Bastelanleitung für einen kleinen Sarg zur Verfügung zu stellen, muss man erst mal kommen.


Wir basteln unserem verstorbenen Hamster einen schönen Sarg aus Papier

Auf den Punkt gebracht:

 

„Ein alles andere als sterbenslangweiliges Buch über den Tod und das Leben drum herum.“

 


Literatur

Von der Gathen, Katharina u. Kuhl, Anke: Radieschen von unten. Das bunte Buch über den Tod für neugierige Kinder, 1. Auflage, Klett Kinderbuch-Verlag, ISBN 978-3-95470-285-5, Leipzig 2023, gebundene Ausgabe 22,00 Euro.




Wer sich darüber hinaus für das Thema "Kinder philosophieren" interessiert:




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