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Philosophisches Lexikon - Kontingenz

Aktualisiert: Mai 31

Philosophen lieben dieses Wort. Wenige Fachbegriffe klingen so gelehrt, erhaben und zugleich irritierend. Streuen Sie dieses Wort auf einer Party in eine Unterhaltung und die Aufmerksamkeit aller Anwesenden ist ihnen sicher.


Kontingenz


Lateinisch contingentia: Möglichkeit, Zufall

Griechisch τὰ ἐνδεχόμενα endechómena: Etwas, was möglich ist



Worum geht es?


Nach Aristoteles bezeichnet Kontingenz das, was sein, aber auch nicht sein kann. Anders ausgedrückt: Kontingent ist etwas, was weder notwendig noch unmöglich ist (Niklas Luhmann). Kurz gesagt, es geht um Tatsachen, deren Bestehen zwar gegeben, aber weder notwendig noch unmöglich ist.


„Kontingenz bezeichnet das, was möglich ist, also das, was sein kann, und ist dem entgegengesetzt, was nicht sein kann. Als Mögliches schließt es das Unmögliche aus.“ (Josef Schmidt)

Noch einfacher: Von Kontingenz spricht man, wenn alles, was ist, anders sein könnte oder auch überhaupt nicht (Rudolf Selbach).


Der Begriff Kontingenz verweist auch auf das Transzendente, auf das, was das Innerweltliche überschreitet. Deshalb fällt er häufig im Zusammenhang mit der Frage nach der Existenz Gottes. Gott, so die gängige Annahme, existiert notwendigerweise - im Gegensatz zu den Dingen in der Welt, die immer auch nicht existiert haben könnten.


„Ja sogar die Welt insgesamt könnte auch nicht existiert haben (man nennt diese nicht-notwendige Form der Existenz kontingente Existenz.“ (Winfried Löffler)


Modallogische Definition




Literatur

Brugger, Walter u. Schöndorf, Harald: Philosophisches Wörterbuch, Verlag Karl Alber, Freiburg im Breisgau 2010.

Löffler, Winfried: Einführung in die Religionsphilosophie, WBG Verlag, Darmstadt 2006.

Selbach, Rudolf: Kontingenz I, in: https://salon-ockham.de/69/kontingenz (abgerufen am 15.11.2020).


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